Schlössermarathon Marchfeld vom 9.6.2013   

1.000 Rennkilometer und Zieleinlauf mit Sohn Theodor am Vatertag!
 
Auch beim meinem zweiten Rennen in diesem Jahr gab es Probleme am Veranstaltungsort. War es in Zypern die Bankenkrise, wurde das Marchfeld (und insgesamt 6 von 9 österreichischen Bundesländern) in der Woche vor dem Rennen von einem Jahrhunderthochwasser heimgesucht. Der Marathonlauf musste abgesagt werden, der Halbmarathon fand auf geänderter Strecke statt. Dem Veranstalter ist definitiv ein Lob auszusprechen, da er den Mehraufwand bewältigt und eine tadellose Laufveranstaltung durchgeführt hat.

Rennverlauf: Die HM-Strecke, für die ich mich Ende März angemeldet hatte, sollte von Eckartsau nach Schloss Hof führen. Aufgrund des Hochwassers wurden Start- und Zielort getauscht und der Kursverlauf etwas modifiziert. Obwohl das Teilnehmerfeld überschaubar war, erfolgte der Start in vier Wellen. Ich lief im Block 1:45 – 2:00 h los und versuchte, möglichst rasch einen Schnitt von 5:30 min/km zu finden. Dies gelang leicht, da es nach dem Verlassen des Schlossareals einige hundert Meter bergab geht. Bei der ersten Labestation bei KM 3,3 wird die Strecke zu einem Gegenverkehrskurs gemacht. Man kann als langsamer Läufer also bald die Spitzengruppe entgegenkommen sehen. Ich freute mich aber auf meinen oberösterreichischen Lauffreund Markus Knasmüller, den ich bei den European Masters Games 2011 in Lignano kennengelernt habe. Zirka bei meinem KM 5 und seinem KM 7 erspähten wir uns und nahmen uns die Zeit, kurz abzuklatschen. Ich hielt die von mir angepeilten 5:30 min/km problemlos, sodass ich mir schon dachte, dass eine aufgescheuerte Brustwarze mein einziges Problem in diesem Rennen sein würde. Auch bei Rennhalbzeit, wo ich immer in mich hineinhorche und Zwischenbilanz ziehe, fühlte ich mich tadellos. So ging es in langgezogenen Ortschaften und noch längeren Geraden zwischen den Ortschaften bis KM 15 dahin, als mich ausgangs von Loimersdorf ein gewaltiger Einbruch ereilte. Ich wusste, dass ich jetzt ein Kohlenhydratgel benötigen würde, das ich auch bei mir hatte. Allerdings war die nächste Labestation 3 KM entfernt und brauchte ich Wasser, um das Gel konsumieren zu können. Auf KM 16 wollte ich eine Gehpause einlegen, verwarf diesen Gedanken aber wieder. Ich dachte mir, dass mir in Linz zwei minimale Gehpausen eine Zeit über zwei Stunden beschert hatten. Außerdem glaubte ich nicht, nach kurzem Gehen wieder frisch zu sein. So kämpfte ich mich zur Labestation bei KM 18 durch. Nach entsprechender Stärkung fand ich sehr rasch wieder einen schnelleren Laufschritt und mein angepeiltes Tempo von 5:30 min/km. Mich motivierte auch, dass ich auf diesem Streckenabschnitt bei Gegenwind unzählige Teilnehmer überholen konnte. Den Schlusskilometer absolvierte ich in 5:15 min, was mein schnellster Kilometer dieses Rennens war! Beeindruckend ist der Zieleinlauf in Schloss Eckartsau: Beim Durchlaufen des Schlossinnenhofes wird jeder Teilnehmer einzeln von Hornbläsern quasi „durchgeblasen“. Danach sind es noch rund 200 Meter bis zum Zielbogen. Kurz vor diesem lief mir Sohn Theodor entgegen, sodass er mich erstmals bei einem Zieleinlauf begleitete – und das am Vatertag! Natürlich bekamen wir Extra-Applaus von den Zuschauern und Theodor sogar eine Finishermedaille. Außerdem bat mich der Zielfotograf, Theodor hochzuheben, was ich machte und wir etliche Male abgelichtet wurden. Dass ich durch diesen Zieleinlauf ein paar Sekunden liegen ließ, spielt natürlich keine Rolle. Im Gegenteil: Es hat total Spaß gemacht, und wir schafften gerade noch die „höchste 57er-Zeit“: 1:57:59 h.
 
Strecke: Die aufgrund des Hochwassers kurzfristig geänderte Strecke ist meiner Ansicht nach vom Höhenverlauf einfacher zu bewältigen als der ursprünglich vorgesehene Kurs. Und zwar würde ein Zieleinlauf in Schloss Hof bedeuten, dass man am Schlusskilometer einen Anstieg von 30 Höhenmetern zu bewältigen hätte. Der heurige Zieleinlauf in Schloss Eckartsau ist hingegen bretteleben. Ansonsten weist die Strecke keine nennenswerten Steigungen oder Kurven auf, sodass sie als rekordtauglich bezeichnet werden kann.
 
Organisation: Der Schlössermarathon sollte bereits im Vorjahr stattfinden, was aber aufgrund von bürokratischen Hindernissen nicht gelang. Entsprechend vorbereitet war der Veranstalter heuer und konnte – vermutlich auch deswegen - die Hochwassersituation mit Bravour meistern. Hervorzustreichen sind die Freundlichkeit der Helfer, die penible Streckensicherung sowie das angeschlossene Genussfest – eine Art Kirtag. Gewünscht hätte ich mir mehr Labestationen. Prinzipiell reichen mir diese im 5-KM-Abstand. Aber bei Hitzerennen – und diese sind im Juni immer zu erwarten – würde die eine oder andere Station mehr nicht schaden.
 
Wetter: Den Schlösser-HM habe ich u.a. auch deswegen gewählt, da eine von West nach Ost führende Strecke geplant war. Das Marchfeld ist sehr windanfällig und kommt dieser üblicherweise aus Westen. Sprich: Es wäre eher mit Rückenwind zu rechnen gewesen. Nachdem Start und Ziel getauscht wurden, befürchtete ich das Schlimmste. Es herrschte allerdings Südostwind, sodass der Wind meist von der Seite kam. Die Temperaturen waren für einen Laufwettkampf allerdings definitiv zu hoch. Die Außentemperaturanzeige meines Autos zeigte nach dem Zieleinlauf 27 Grad.
 
Spezielles/Statistisches: Im Marchfeld lief ich meinen 1.000ten Rennkilometer (zu Ende). Diesen komplettierte ich nach 650 m. Angefangen habe ich meinen 1.000ten Rennkilometer somit im vorigen Rennen in Zypern, also auf einem anderen Kontinent ;-) Ungewöhnlich ist für mich, dass ich im Juni erst den zweiten Wettkampf des Jahres bestritten habe. Der Grund sind gottlob keine Verletzungsprobleme, sondern meine Konzentration auf die HM-Distanz sowie meine Ausbildung zum Laufinstruktor, die ich bei Prof. Holdhaus in der Südstadt absolviert habe.
 
Resümee: Vom Rennverlauf wird mir in Erinnerung bleiben, wie ich die Schwächephase nach zwei Dritteln des Rennens überwunden habe. Ich denke, ich werde dieses Wissen in zukünftigen HMs nutzen können. So habe ich auch im Marchfeld schon die Erfahrungen vergangener HMs in die Waagschale werfen können. Meine Endzeit ist unwesentlich schneller als die von Limassol vor 2,5 Monaten. Trotzdem ist die Leistung beim Schlösser-HM aufgrund von Temperatur und Wind höher einzustufen. Besonders gefreut hat mich, mit Markus Knasmüller wieder ein Rennen bestritten zu haben und die anschließende Rennanalyse bei einem isotonischen Getränk ;-)

Ausblick: Möglicherweise absolviere ich gleich meinen nächsten HM auch im Marchfeld, u.zw. in Großenzersdorf. Dieser findet am 6.10.2013 statt, womit ausreichend Vorbereitungszeit gegeben ist. Diese ist auch unbedingt erforderlich, will ich eine Chance auf Verbesserung meiner pB haben. Noch im Juni möchte ich die Zahl meiner heurigen Rennen verdoppeln, wobei „Rennen“ nur bedingt gilt. Beim Red-Bull-Ring-Lauf sowie bei der Marathonstaffel in Ollersdorf sollen der Spaß im Vordergrund stehen.