Limassol Marathon vom 24.3.2013  


Zum zweiten Mal ein HM unter Palmen an einem Palmsonntag!
 
Der Saisoneinstieg in mein 11. Wettkampfjahr erfolgte auf meiner Lieblingsdistanz HM fern ab der Heimat - auf Zypern. Die Wahl dafür erfolgte aufgrund der Osterferien, wo der Kindergarten geschlossen ist und wir uns sowieso Urlaub für die Betreuung von Theodor nehmen müssen. Nachdem es voriges Jahr zu Ostern in den hohen Norden nach Finnland und somit in die Kälte ging, sollte es diesmal der sonnige Süden sein. Bereits im November buchten wir den Flug auf die Mittelmeerinsel. Wenige Tage vor unserer Abreise stand Zypern vor der Staatspleite und waren die Banken für insgesamt 12 Tage geschlossen. Mit einem entsprechend komischen Gefühl traten wir deshalb die Reise an. Am Zielflughafen Larnaca erwartete uns dann gleich ein Tornado, der am nächsten Tag durch einen Sturm abgelöst wurde. Meine Erwartungen für das Rennen waren daher ebenfalls gemäßigt.

Rennverlauf: Der Start erfolgte gesondert für die vier Distanzen Marathon, HM, 10 KM und 5 KM. Der Marathonblock war ganz vorne und wurde zuerst abgelassen. Der HM folgte zwei Minuten später. Im überschaubaren Teilnehmerfeld von weniger als 300 Halbmarathonis stellte mich an die absolut letzte Position, da ich wusste, dass die Strecke sehr bald breit wird und Überholen nicht schwer sein würde. Der anfängliche 6er-Schnitt war am Ende des ersten Kilometers punktgenau auf die geplanten 5:41 herunten. Ich konzentrierte mich dann, diesen Schnitt von Kilometer zu Kilometer zu halten und mir einen kleinen Vorsprung auf 5:39 herauszuarbeiten, da die Strecke AIMS vermessen und damit sicher ein Spur länger sein würde. Die konstanten KM-Zeiten gelangen leicht, da die Strecke fast bretteleben und beinahe kurvenfrei ist. Bei KM 9 ist der einzige spürbare Anstieg von 20 Höhenmetern zu bewältigen. Dort ging der aktuelle KM-Schnitt auf meiner Garmin auf 5:50 rauf, was unproblematisch – weil auf dem folgenden Gefälle leicht aufholbar – war. Schließlich erreichte ich den Wendepunkt bei 10,55 KM (exakt waren es um 50 m mehr) und es ging auf der zweispurigen Gegenfahrbahn zurück Richtung Ziel. Der Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke war von dieser Seite aus leichter zu laufen (weniger langgezogen, zwei kurze steilere Stiege). Natürlich motivierte mich, dass ich wusste, dass es von diesem Punkt aus nur mehr stetig flach abfallend zum Ziel ging. Ich versuchte daher meinen KM-Schnitt weiter zu drücken, da ich mich gut fühlte. Bei KM 16 – genau auf der Höhe unseres Hotels – überlegte ich das erste Mal, ob es wohl noch anstrengend werden würde. Diese Gedanken verwarf aber sofort wieder und redet mich mit „I´m coming home now!“ (Felix Baumgartner) und „Man muss es sich trauen!“ (Alexandra Meissnitzer) stark. Bald stellte sich bei mir das Gefühl ein, dass an diesem Tag nichts mehr anbrennen würde. Ich versuchte aber, konzentriert zu bleiben, meine KM-Zeiten zu halten und dem Motto dieser Laufveranstaltung „Run with a smile“ gerecht zu werden. Die letzten Kilometer freute ich mich schon auf den Zieleinlauf mitten durch eine Palmenallee. Diesen wollte ich besonders genießen. Unglücklicherweise konnte ich dies nicht alleine machen, da ich mitten in den zwei Stunden später gestarteten Kinderlauf kam. Da eine Zeit unter 2 h fix war, passte ich auf, mit keinem Kind zu kollidieren (Anm.: Kinder laufen bekanntermaßen kreuz und quer und stürzen auch oft.). Die letzten Meter wurden die Kinder dann auf der rechten Seite durch den Zielbogen gewiesen, ich durfte alleine links einlaufen. Mit einer hohen 1:58er-Zeit habe ich die mir selbst gesetzte Vorgabe an diesem Tag erfüllt.
 
Strecke: Der HM in Limassol ist eine Wendepunktstrecke. Es geht 10,55 KM Richtung Osten und nach der Wende die gleiche Strecke westwärts retour. Außer dem Wendpunkt gibt es nur eine einzige Kurve, u. zw. wenn man von der Start/Ziel-Geraden (einer Promenade direkt am Meer) auf die insgesamt vierspurige Uferstraße durch Limassol biegt. 20 Höhenmeter sind zweimal – bei KM 9 und bei KM 11 – zu bewältigen. Der Kurs ist definitiv bestzeitentauglich.
 
Organisation: Der Limassol Marathon ist das einzige AIMS- und IAAF-Rennen Zyperns. Dies schlägt sich in der Qualität der Veranstaltung nieder. Die Startnummernausgabe erfolgt aufgrund des geringen Teilnehmerfeldes (rund 1.000 Starter über alle Distanzen) in einem Container bei Start/Ziel. In der Nenngebühr von EUR 35,-- ist ein Funktionsshirt inkludiert. Mich freute, dass es ein „Trägerleiberl“ ist, also etwas für den Hochsommer. Alle 2,5 KM (!) gibt es Labestationen. Das Wasser wird in Flaschen gereicht, was ich sehr angenehm finde, da mir daraus das Trinken leichter fällt als aus Bechern. Die Finisher-Medaille gibt es – etwas ungewöhnlich – nicht gleich nach dem Zielbogen. Ich musste danach „suchen“.
 
Wetter: Ich fürchtete im Vorfeld Westwind, da die zweite Streckenhälfte ausschließlich Richtung Westen führt. Von den insgesamt sechs Tagen, die wir auf Zypern verbrachten, war der Renntag vom Wetter der Beste: minimaler Ostwind! Die Temperatur war um 20 Grad – für mich perfektes Laufwetter.
 
Spezielles/Statistisches: In diesem Teil muss ich etwas weiter ausholen, da der Limassol HM viel Besonderes bot:

 

-    Erstmals bestritt ich ein Rennen außerhalb Europas. Zypern zählt geographisch nämlich zu Asien. Darüber hinaus war es mein südlichster Rennauftritt.
-    Ob ich es zum Start schaffen würde, war am Abend vor dem Rennen ungewiss, da Straßensperren vor unserem Hotel ab 8.00 Uhr (Rennstart 9.00 Uhr) angekündigt waren. Als „Notfallszenario“ überlegte ich, ins Rennen einzusteigen, wenn die Masse vor unserem Hotel durchkommt. Wir starteten aber nach einem mehr als eiligen Frühstück um 7.35 Uhr mit unserem Mietauto zum Start und parkten rund einen Kilometer entfernt.
-    Zum Start und nach dem Zieleinlauf trug ich Theodor zu unserem Auto auf meinen Schultern.
-    Die Rückfahrt zu unserem Hotel war ein Gekurve durch verwinkelte Gassen, da die Uferstraße noch gesperrt war. Wir schafften es trotzdem, zum Mittagessen retour zu sein.
-    Während dem Rennen beobachtete ich die Fahnen auf den Hotels, um die Windrichtung zu bestimmen. Außerdem sah ich Orangenbäume mit reifen Orangen. Sogar zum Auslagenbummel nahm ich mir Zeit: Ich entdeckte einen Hartschalentrolley um EUR 29,90, den ich zwei Tage später kaufte.
-    Erstmals in meiner Laufkarriere begegnete ich einem Barfußläufer, den ich am ersten Kilometer überholte. Es war ein Holländer, der voriges Jahr den Marathon, heuer den HM bestritt.
-    Ebenfalls erstmals in meiner Laufkarriere überholte ich einen Afrikaner. Dieser dürfte dehydriert gewesen sein, da er von einem Straßenrand zum anderen taumelte. Trotzdem versuchte er, sich an mich dranzuhängen, was ihm für gerade mal 100 m gelang.
-    Ich hängte mich kurz später an eine Afrikanerin an, die mich kilometerweit zog. Ich war sicher, mit ihr ins Ziel zu laufen. Allerdings schwächelte sie bei KM 19, wo ich plötzlich an ihr vorbei war.
-    Schon am Nachmittag des Rennens bekam ich per Mail eine Gratulation des Veranstalters zur erfolgreichen Teilnahme.
-    Nach Nizza 2011 bestritt ich in Limassol 2013 zum zweiten Mal einen HM unter Palmen - und das am Palmsonntag!


Meinen 28. HM finishte ich definitiv mit einer 1:58er-Zeit. Ich habe es mir abgewöhnt, auf der Ziellinie meine Uhr abzustoppen, da ich diese Zieleinlauffotos nicht mag. Abgestoppt habe ich daher erst nach dem Siegerbussi durch meine Frau und der Begrüßung durch meinen Sohn – mit 1:58:54. Diese Zeit habe ich auch in meine Ergebnisliste eingetragen. Auf der Veranstalterhomepage standen einem Tag nach dem Rennen 1:58:45, jetzt sind es 1:59:07. Ich habe überhaupt kein Problem mit einer 1:59er-Zeit, da ich eine solche bei 28 HMs noch nie erzielt habe. Tatsache ist aber, dass ich immer die Nettozeit in meiner Ergebnisliste verbuche und es sich bei der 1:59er-Zeit um die Bruttozeit handelt.
 
Resümee: Der Limassol-HM stand unter keinen guten Vorzeichen: eingeschränkte Vorbereitung durch den härtesten Winter in Eisenstadt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, einwöchige Erkrankung in der Hauptvorbereitungszeit 4 Wochen vor dem Rennen, Staatskrise in Zypern, unklare Windverhältnisse. Außerdem hatte ich keinen Anhaltspunkt hinsichtlich meiner Form, da ich keinen Laktattest im Vorfeld absolvierte. Ich beschloss aber bereits Tage vor dem Rennen, die "sub2h-Geschichte" zu probieren („Man muss es sich trauen!“). Wetter und Strecke halfen, sodass dieses Vorhaben ohne wesentliche Anstrengung gelang!

Ausblick: Die heurige Rennsaison ist der Verbesserung meiner HM-Bestzeit unterworfen. Nach Limassol wollte ich meinen weiteren (Frühjahrs-)Rennkalender entscheiden. Diese Entscheidung ist nunmehr gefallen: Ich habe mich für den 1. Schlössermarathon im Marchfeld am 9.6.2013 entschieden und bereits angemeldet. Für diesen HM kann ich noch vier lange Einheiten trainieren. Ob sich dann schon ein Angriff auf meine pB am HM ausgeht oder dies auf den Herbst verschoben werden muss, werden wir sehen.